Monatsarchiv für Juni 2013

Lügen im Handelsblatt

26. Juni 2013

Das Handelsblatt, Organisator der stets im Januar stattfindenden Jahrestagung Energiewirtschaft,  sollte es besser wissen. Unwidersprochen druckt es die Lüge von General Electric CEO Immelt: “„Wenn ein Stahlwerk in Texas 5 US-Cent pro Kilowattstunde Strom zahlen muss und eine Prozessindustrie in Deutschland 20 US-Cent, dann werden hier Arbeitsplätze vernichtet“.

Dieser Satz ist eine Lüge, denn die deutsche Prozessindustrie zahlt nicht 20 US-Cent, sondern im Schnitt etwa 4 US-Cent, wie Greenpeace, WWF, BUND und Germanwatch in einer gemeinsamen Erklärung korrigieren. Die aktuellen Stromkosten für die energieintensive Industrie kann man hier noch einmal genau nachlesen.

Bekanntlich lässt sich nichts so schlecht wieder aus der Welt schaffen wie ein Gerücht. Dass das Handelsblatt diese Art von Stimmungsmache betreibt, ist alarmierend. Die Gegner der Energiewende wittern seit der Strompreisbremsendebatte Morgenluft und blasen zum Angriff.  Dem sollte man nicht tatenlos zusehen.

P.S:  Genau genommen ist der umstrittene Satz natürlich keine Lüge: denn er ist in eine geschickte “wenn-dann”-Formulierung gehüllt. Diese linguistischen Feinheiten kommen beim Durchschnittsleser aber nicht an…

 

Das Generationen-Manifest.

11. Juni 2013

am 11.6.2013 vor dem Bundeskanzleramt

am 11.6.2013 vor dem Bundeskanzleramt

Letzten Donnerstag gab es den Startschuß zum “Generationenmanifest”, einer Initiative deutscher Intellektueller, die die Handlungsunfähigkeit der Politik nicht länger hinnehmen will. Das Generationenmanifest ist ein Weckruf im Wahljahr, “zur Bildung einer großen gesellschaftlichen Koalition für Nachhaltigkeit und eine aktive Zukunftsgestaltung”.
Am Montag, den 11.6. fand die erste Montagskundgebung vor dem Kanzleramt statt, die den Forderungen und der Aufforderung zum Dialog Nachdruck verleihen soll. Dies war der Startschuss – es ist zu hoffen, dass der Appell auf fruchtbaren Boden fällt. Mein Plädoyer wäre: Herr Altmeier, Schluss mit der kleinkarierten und lähmenden Strompreisbremsendebatte. Begreifen Sie die Energiewende endlich als wirtschaftliche und soziokulturelle Chance zur grundlegenden Innovation und Transformation unserer Gesellschaft!

“Impulse für eine smarte Energiewende”

10. Juni 2013

Flexibilität - die kommende Ressource der Wertschöpfung

Flexibilität - die kommende Ressource der Wertschöpfung

Die Marktintegration der Erneuerbaren Energien funktioniert unter dem bisherigen Marktdesign nur schlecht (Stichwort Grenzkosten = Null). Über ein neues Marktdesign wird in Fachkreisen seit einem guten Jahr intensiv diskutiert. Nun gibt es unter dem Titel “Impulse für eine smarte Energiewende” einen Diskussionbeitrag von BDI-IdE (Internet der Energie), einer Gruppe von Unternehmenaus dem Energie- und IKT-Sektor. Spannend daran ist, dass die konservative Energiebranche hier durch die sehr viel flexiblere IKT-Branche herausgefordert wird.

Vorschläge für ein zukünftiges Marktdesign hängen sich  immer wieder an Einzelfragen auf, so BDI-IdE. Statt einen eigenen Entwurf zu präsentieren, stellt BDI-IdE deshalb in seiner Anfang Juni 2013 vorgestellten neuen Broschüre fünf Prinzipien vor. Sie sollen als Leitlinien dienen, anhand derer Entwürfe für einen Transformationsprozess des Marktes geprüft werden können.

Die fünf Prinzipien lauten:
1) Subsidiarität (lokaler Ausgleich soweit es geht)
2) Flexibilität als ökonomisches Gut
3) Angemessenheit beim Auf- und Umbau der Infrastruktur
4) Kostengerechtigkeit
5) Anreize für Innovationen und Investitionen.

Auf einige dieser Themen (z.B. Anreize beim Auf- und Umbau der Infrastruktur; Flexibilität als ökonomisches Gut) habe ich auch schon in meiner Studie verwiesen. Vor allem das Flexibilitätsthema spielt eine zentrale Rolle: in Zukunft wird nicht mehr der Brennstoff (Kohle, Uran) das “knappe Gut” sein, dessen Preis den Markt bestimmt. Es wird die Flexibilität sein, die knapp ist. Den Mechanismus festzulegen, wie diese neue Form von Knappheit bepreist werden kann, wird die kommende Herausforderung in der Marktdesigndebatte werden.