Allgemein

Propagadamaschine auf Hochtouren

22. Januar 2017

Die Tagesschau schrieb am 20.1.2017 auf ihrer Facebookseite, dass beide Bilder wenige Minuten vor der Amtseinführungszeremonie der Präsidenten Trump und Obama aufgenommen worden seien.

Die Verbreitung der Bilder, die eine eher schlecht besuchte Feier im Jahr 2017 zeigen, veranlasste den Pressesprecher des neuen Präsidenten, den Medien zu drohen. Es habe sich um die größte Menge an Zuschauern gehandelt, die je einer Amtseinführung beigewohnt hätten. Die Bilder seien aus einem unvorteilhaften Blickwinkel heraus aufgenommen. Für diese Falschberichterstattung würde man die Medien zur Rechenschaft ziehen. Die New York Times reagierte prompt und verwies etwa auf die signifikant unterschiedlichen U-Bahn-Nutzungszahlen 2017 und 2008.

Genau so geht Propagandakrieg: Lügen von offizieller Seite in die Welt setzen und gleichzeitig der Opposition unterstellen, ihre Kritik sei unwahr. Offensichtlich greift diese Strategie bei nicht wenigen Menschen, wie die Kommentare in den sozialen Netzwerken zeigen. Sollte es noch Forscher geben, die sich mit der Frage beschäftigen, warum nach 1945 viele Deutsche sagten “sie seien verführt worden”: Ab jetzt kann man täglich live verfolgen, wie das funktioniert.

Dass es sich bei dem politischen Monstrum, das sich das mächtigste Staatsamt der Welt geschnappt hat, um einen Diktator in den Startlöchern handelt, wird immer offensichtlicher. Der Weg in die postfossile Gesellschaft führt in den kommenden Jahren durch einen Krokodilssumpf. Bleibt zu hoffen, dass der Mann so schnell wie möglich über sich selbst strauchelt.

Ekel und Scham

12. Januar 2017

In seinen Tagebüchern zeichnet Victor Klemperer das Regnum der deutschen Nationalsozialisten nach.

“30. Januar: Hitler Kanzler. (…) Es ist erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht.”

17. März 1933 “Ich kann das Gefühl des Ekels und der Scham nicht mehr loswerden.”

20.März 1933 “Jede einzelne Regierungsanordnung ist noch beschämender als die vorangehende.”

USA, quo vadis?

Niemals möchte ich das Gefühl von Ekel und Scham verlieren, das mich befällt, wenn von dem amerikanischen Horrorclown die Rede ist.

 

Erde adieu

13. November 2016

Ich hätte niemals im Leben gedacht, dass ich die konservative Zeitung  “die Welt” einmal als Kronzeugin aufrufen würde. Über “Klimaretter.info” hörte ich soeben, dass Myron Ebell neuer Mann in T.s Schattenkabinett für die Organisation des Machtwechsel in der wichtigen Umweltbehörde des USA, nämlich der EPA werden sollte. Avaaz nannte diesen Typen während der COP von Paris im Dezember 2015 den “dreckigsten Lobbyisten der Erdöl-, Ergas- und Kohleindustrie”, auf deutsch einen “Klima-Verbrecher”.

In ihrer etwas behäbigen Art zeigt sich “die Welt” darüber äußerst befremdet. Danke “Welt”, das ist ein anständiger Artikel. Die Achse zwischen “konservativ” und “progressiv” hat sich nach der US-Wahl so sehr verschoben, dass ich Dir nur beipflichten kann.

9. November 1918 1938 1989_______________________________2016

11. November 2016

“Die Nacht in der der Westen starb” titelte das Berliner Boulevardblatt Bildzeitung am Tag nach der US-Wahl. Einer, der gerade erst sein Abschiedsalbum vorgelegt hatte, entschied sich zwei Tage vorher schon für den Abschied. Leonhard Cohen verließ diese Welt – nicht ganz überraschend, aber irgendwie doch sehr viel schneller als erwartet. Der großartige Sänger setzt damit (fast schon) einen Schlußpunkt unter das erschreckende Jahr 2016, dessen Auftakt auf prophetische Weise düster war. Am 11. Januar war die Welt aufgewacht und hatte erfahren, dass sich David Bowie in einen “Black Star” verwandelt hatte. Fast scheint es mir, als hätte er geahnt, was auf uns zukommen würde. Vermittelte die weltweite Trauer um seinen Tod nicht einen Vorgeschmack auf die Erfahrung von Verlust, die seit gestern in uns hochsteigt? Und scheint es nicht so, als wäre ihm auch Leonard Cohen gefolgt, um diese Zeitenwende nicht mehr zu erleben?
Allenthalben liest man jetzt Erklärungsversuche für das bis vor kurzem Undenkbare. Ich habe dabei ein großes Bedürfnis, mir die Komplexität der Zusammenhänge klar zu machen. Deshalb stelle ich an dieser Stelle die Frage: Was hat uns an die schwindelerregende Schwelle dieses 9. Novemer 2016 geführt? Und was genau erzeugt die unglaubliche Bestürzung, warum schockiert dieses Wahlergebnis so sehr? Meines Erachtens muss man auf der Suche nach Antworten 27 Jahre zurückblicken, auf den Mauerfall am 9. November 1989.
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Lügen im Handelsblatt

26. Juni 2013

Das Handelsblatt, Organisator der stets im Januar stattfindenden Jahrestagung Energiewirtschaft,  sollte es besser wissen. Unwidersprochen druckt es die Lüge von General Electric CEO Immelt: “„Wenn ein Stahlwerk in Texas 5 US-Cent pro Kilowattstunde Strom zahlen muss und eine Prozessindustrie in Deutschland 20 US-Cent, dann werden hier Arbeitsplätze vernichtet“.

Dieser Satz ist eine Lüge, denn die deutsche Prozessindustrie zahlt nicht 20 US-Cent, sondern im Schnitt etwa 4 US-Cent, wie Greenpeace, WWF, BUND und Germanwatch in einer gemeinsamen Erklärung korrigieren. Die aktuellen Stromkosten für die energieintensive Industrie kann man hier noch einmal genau nachlesen.

Bekanntlich lässt sich nichts so schlecht wieder aus der Welt schaffen wie ein Gerücht. Dass das Handelsblatt diese Art von Stimmungsmache betreibt, ist alarmierend. Die Gegner der Energiewende wittern seit der Strompreisbremsendebatte Morgenluft und blasen zum Angriff.  Dem sollte man nicht tatenlos zusehen.

P.S:  Genau genommen ist der umstrittene Satz natürlich keine Lüge: denn er ist in eine geschickte “wenn-dann”-Formulierung gehüllt. Diese linguistischen Feinheiten kommen beim Durchschnittsleser aber nicht an…

 

Das Generationen-Manifest.

11. Juni 2013

am 11.6.2013 vor dem Bundeskanzleramt

am 11.6.2013 vor dem Bundeskanzleramt

Letzten Donnerstag gab es den Startschuß zum “Generationenmanifest”, einer Initiative deutscher Intellektueller, die die Handlungsunfähigkeit der Politik nicht länger hinnehmen will. Das Generationenmanifest ist ein Weckruf im Wahljahr, “zur Bildung einer großen gesellschaftlichen Koalition für Nachhaltigkeit und eine aktive Zukunftsgestaltung”.
Am Montag, den 11.6. fand die erste Montagskundgebung vor dem Kanzleramt statt, die den Forderungen und der Aufforderung zum Dialog Nachdruck verleihen soll. Dies war der Startschuss – es ist zu hoffen, dass der Appell auf fruchtbaren Boden fällt. Mein Plädoyer wäre: Herr Altmeier, Schluss mit der kleinkarierten und lähmenden Strompreisbremsendebatte. Begreifen Sie die Energiewende endlich als wirtschaftliche und soziokulturelle Chance zur grundlegenden Innovation und Transformation unserer Gesellschaft!

“Impulse für eine smarte Energiewende”

10. Juni 2013

Flexibilität - die kommende Ressource der Wertschöpfung

Flexibilität - die kommende Ressource der Wertschöpfung

Die Marktintegration der Erneuerbaren Energien funktioniert unter dem bisherigen Marktdesign nur schlecht (Stichwort Grenzkosten = Null). Über ein neues Marktdesign wird in Fachkreisen seit einem guten Jahr intensiv diskutiert. Nun gibt es unter dem Titel “Impulse für eine smarte Energiewende” einen Diskussionbeitrag von BDI-IdE (Internet der Energie), einer Gruppe von Unternehmenaus dem Energie- und IKT-Sektor. Spannend daran ist, dass die konservative Energiebranche hier durch die sehr viel flexiblere IKT-Branche herausgefordert wird.

Vorschläge für ein zukünftiges Marktdesign hängen sich  immer wieder an Einzelfragen auf, so BDI-IdE. Statt einen eigenen Entwurf zu präsentieren, stellt BDI-IdE deshalb in seiner Anfang Juni 2013 vorgestellten neuen Broschüre fünf Prinzipien vor. Sie sollen als Leitlinien dienen, anhand derer Entwürfe für einen Transformationsprozess des Marktes geprüft werden können.

Die fünf Prinzipien lauten:
1) Subsidiarität (lokaler Ausgleich soweit es geht)
2) Flexibilität als ökonomisches Gut
3) Angemessenheit beim Auf- und Umbau der Infrastruktur
4) Kostengerechtigkeit
5) Anreize für Innovationen und Investitionen.

Auf einige dieser Themen (z.B. Anreize beim Auf- und Umbau der Infrastruktur; Flexibilität als ökonomisches Gut) habe ich auch schon in meiner Studie verwiesen. Vor allem das Flexibilitätsthema spielt eine zentrale Rolle: in Zukunft wird nicht mehr der Brennstoff (Kohle, Uran) das “knappe Gut” sein, dessen Preis den Markt bestimmt. Es wird die Flexibilität sein, die knapp ist. Den Mechanismus festzulegen, wie diese neue Form von Knappheit bepreist werden kann, wird die kommende Herausforderung in der Marktdesigndebatte werden.

Electricity Pylons – Remembering Yesterday

8. Mai 2013

The grid infrastructure that supplies electric power relies on lattice towers. Being developed in the 1920ths, the appearance of these metallic giants resembles the design of one of the most famous symbols of the industrial age: The Eiffel Tower. For sure the romantic city landmark of Paris doesn’t make us think of electricity in the first place. But when it was presented at the World Expo of 1889 in remembrance of the French revolution, it came at the end of a decade of innovation in mastering electricity. Eight years before, in 1881, the first electrical exhibition had taken the public by storm. Hundreds of light bulbs had created an atmosphere of novelty and enchantment. In 1889 the Eiffel tower was erected as the highest building of the world conveying a feeling of ultimate modernity. Den ganzen Beitrag lesen »

„California Über Alles“

30. April 2013

Erstes Farbfoto der ganzen Erde, aufgenommen vom Satelliten ATS-3 am 10.11.1967

Erstes Farbfoto der ganzen Erde, aufgenommen vom Satelliten ATS-3 am 10.11.1967

Die “Whole-Earth-Ausstellung” im Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Mit ihrem provokanten Song „California über Alles“ aus dem Jahr 1978 schmähte die Punkband „Dead Kennedys“ einst Gouverneur Jerry Brown. Der demokratische Politiker verkörperte für die ruppigen Musiker das fragwürdige Versprechen einer konfliktlosen heilen Welt mit Hippie-Touch. Inzwischen hat die kalifornische Mischung aus ganzheitlichem Denken, ökologischer Lebensweise und Liebe zum Cyberspace die Welt erobert. Warum, das untersucht das Haus der Kulturen der Welt in seiner Ausstellung „The Whole Earth. Kalifornien und das Verschwinden des Außen.“ Ihre herausfordernde These lautet: Die Utopie der Blumenkinder wurde durch die Macht eines einzigen Bildes wie in einem Brennglas gebündelt, gestreut, aber auch gebrochen. Den ganzen Beitrag lesen »

Das geplante Scheitern

20. Februar 2013

Am  27. Juli 2012 erschien ein Artikel von mir, der den Debattensturm zum Thema Strompreisanstieg schon im letzten Sommer aufkommen sah.  Lange bevor der Begriff “Strompreisbremse” die Runde machte.

Ein Rad im Rapsfeld: Foto: olympi (cc)

Netzausbau, Photovoltaik-Boom, Gebäudemodernisierung: Die Kosten der Energiewende sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Angefangen hat es mit einer Debatte um „Energiearmut“. Eon-Chef Johannes Teyssen forderte staatliche Zuschüsse für Hartz  IV Empfänger zu den Stromkosten.

Neu ist jetzt, dass der Umweltminister in ungewohnter Einigkeit mit dem Wirtschaftsministerium darauf pocht, Elektrizität müsse für Bürger und Wirtschaft bezahlbar bleiben. Die Presse greift das Thema dankbar auf: „Luxusgut Energie“ heißt es da, von der „Kostenfalle“ oder einer „Strompreiswut“ ist die Rede. Den ganzen Beitrag lesen »

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